„Ich will jung sein, gesund sein, Spaß haben und ficken!! Und das in alle Ewigkeit!!! Ist das etwa zuviel verlangt?!!“ Dies schreit Paul Niemöser (was für ein unglaublich brillianter Name für eine schwule Comicfigur...) in die Welt hinaus. Und er erhält eine Antwort darauf. Als vor einigen Jahren Ralf Königs Comic „Bullenklöten“ erschien, trug dieser den verheißungsvollen Untertitel „Dicke Dödel 1“. Da war also schon klar, dass weitere Werke folgen sollten. Nach langer Wartezeit stand ich dann so ziemlich am Erscheinungstag von „Dicke Dödel 2“ in diversen Buchläden und wurde im dritten endlich fündig. Der Band heißt „Super-Paradise“ und ist hoffentlich nicht das Ende dieser geilen Serie (ein dritter Band wird in „Super-Paradise“ auch schon in Aussicht gestellt). Die Handlung wird nicht stringent erzählt. Sie teilt sich in drei Kapitel auf: Im ersten machen Paul und ein paar Kumpels Urlaub auf Mykonos, einer schwulen Bastion, die leider immer mehr von Hetero-UrlauberInnen heimgesucht wird. Trotzdem gibt es aber natürlich wieder viel zu sehen für die Jungs. Der kolossale Schönling, dem der ganze Strand schöne Augen macht, ist diesmal Italiener und steht im Verdacht, Hetero zu sein. Aber das Unglaubliche geschieht: Er macht ausgerechnet Paul an (und wie!). Na, und dann fliegen die Fetzen (und die Körperflüssigkeiten). Im zweiten Kapitel befinden wir uns wieder im tristen Kölner Alltag. Das Kapitel wird als Rückblende erzählt, im Wechsel zwischen Paul und von Herbert, der sich nun in Paul verliebt hat (so richtig romantisch). Neben den üblichen Alltagskatastrohen wird ihr Leben überschattet von einer Fahrt ins sauerländische Pungelscheid, wo ein an Aids gestorbener Szene-Freund beerdigt wird. Diese Passage gehört zu den stärksten im Buch – einfach bewegend. Was im dritten Kapitel passiert, möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Nur soviel: Wir bekommen es mit Pauls langjährigem Partner Konrad, düsteren Gedanken und mit der eingangs ziterten Frage zu tun. Die Details müsst Ihr schon selbst lesen. Ich habe nun in relativ rascher Abfolge noch mal fast alle Ralf König-Alben von rororo und Männerschwarm durchgelesen (gelobt sei ebay), allerdings grob in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge. Und ich habe gestaunt, wie sehr sich die Geschichten und die Zeichnungen verfeinert haben. Zwar bin und bleibe ich ein großer Fan des recht frühen Werks Lysistrata, aber ich muss zugeben, dass Königs Geschichten seither weitaus reifer geworden sind. Zwar ist auch „Super-Paradise“ immer noch randvoll mit skurrilem Humor, absurden Verwicklungen im Alltag und lauter einfach schrägen Szenen, aber gleichzeitig finde ich die Charaktere viel sorgfältiger ausgearbeitet und die Erlebnisse tiefgründiger. Und dass ich bei Ralf König mal einfach traurig sein kann, war mir bisher auch neu. Anstatt dass ihm also die Ideen ausgingen, wird König tendenziell immer besser, und da ist „Super- Paradise“ als eines seiner neueren Alben eben einfach sehr empfehlenswert. Wenn ich überhaupt Kritik anbringen soll, dann vielleicht an zwei Dingen. Erstens finde ich die Szenen, in denen Herbert die Evolution beschreibt, zwar ganz amüsant, aber doch ein bisschen zu lang geraten. Sowas gab es auch schon mal, da ist ihm nicht viel Neues eingefallen. Und zweitens hat das Buch keinen wirklich roten Faden, auch wenn sich alle Szenen schließlich zu einem großen Ganzen vereinen. Durch die verschiedenen Perspektiven wirkt die Geschichte einfach ein bisschen von außen erzählt. Aber das tut meiner Gesamtbegeisterung keinen Abbruch. Aber letztlich verdient das Buch seine Fünfsternewertung ohnehin schon für einen einzigen kurzen Dialog über Musik, in dem der Unterschied zwischen Techno und anderem Gewummer in einigen wenigen Sprechblasen so geil erklärt wird, dass es in meinem Umfeld ganz schön oft zitiert wird. Sowas Geniales hat selten jemand zu Papier gebracht. Hut ab. Von Ralf König ist noch viel zu erwarten.
Und hier geht's zurück zur Startseite und zu den anderen Buchkritiken.
P.S.: Die von hier aus verlinkten externen Seiten finde ich gut. Verantwortung für ihre Inhalte übernehme ich aber nicht.