Endlich Weltmeister

Auf dieses nette kleine Büchlein bin ich selbst durch eine Rezension aufmerksam geworden, habe es mir schenken lassen und möchte es nun weiter empfehlen. Ich muss sagen, dass mich schon der Titel gereizt hatte, denn Österreich Weltmeister? Und ja, damit ist tatsächlich Fußball gemeint. Der Untertitel „111 unglaubliche Fußballgeschichten“ trifft den Kern ganz gut. Der Autor, Ulrich Hesse-Lichtenberger, hat ein Büchlein aus einer Kolumne gemacht, die er wohl mal irgendwo im Netz gehabt hat. Und genauso liest es sich auch weg. Die Geschichtchen sind zwischen einer und ein paar Seiten lang und liefern Interessantes aus der Welt des Fußballs, das selbst ausgewiesene Fans nicht wissen, aber zum großen Teil interessant finden dürften. In der Titelgeschichte beispielsweise berichtet Hesse-Lichtenberger von einem Journalisten, der errechnet hat, wer schon alles Fußball-Weltmeister gewesen wäre, wenn der Modus nicht eine alle vier Jahre stattfindende WM wäre, sondern einer wie im Boxen: Wer den aktuellen Weltmeister schlägt, übernimmt den Titel. Und da wäre Österreich in den Dreißigern nach einem spektakulären Sieg über England glatte 19 Monate lang Weltmeister gewesen. Hört sich natürlich nicht mehr ganz so super an, wenn man weiß, dass auch Fußballzwerge wie Georgien oder Angola es auf diese Weise schon auf den Thron geschafft hätten. Aber ein Schmunzeln entlockt es einem doch. So ähnlich sind auch die anderen Geschichten beschaffen. Irgenwelche eigentlich belanglosen Fakten, Rekorde und Verrücktheiten aus der Welt des Fußballs werden in lockerer Form aufbereitet. Einige davon sind sehr komisch, und erst gegen Ende kommen ein paar, die er besser rausgelassen hätte (etwa über Casillas' verpassten Lottogewinn oder den russischen Pelé im Gulag). Da hatte ich dann das Gefühl, der Autor wolle unbedingt die Zahl 111 erreichen. Speziell die beiden angesprochenen Geschichten passen nicht so gut ins Buch, weil dieses ansonsten den Anspruch erhebt, bestens recherchiert zu sein und auch mit einigen Fußballlegenden aufräumt, weil diese sich nicht verifizieren lassen. Aber zwei von 111 sind doch auch keine ganz schlechte Quote. Die Geschichten werden im Plauderton dargeboten, beantworten nebenbei auch Fragen, die mit dem Geschehen nur am Rande zu tun haben (was ich sehr schätze, weil ich das Gefühl hatte, dass immer wenn ich ein Fragezeichen auf der Stirn hatte, der Autor auf dieses einging) und lesen sich locker weg. Der Witz an den Geschichten ist aber nahezu immer ihr Inhalt, nicht die Darbietung, denn der Schreibstil ist nicht unbedingt spektakulär lustig, sondern meist eher sachlich. Ein bisschen gefehlt haben mir weiterführende Links oder Quellenangaben. Ich vermute mal, dass einiges davon der Umstellung von einer Internetkolumne auf eine Buchform geschuldet ist. Aber es drängt sich doch die Frage nun wirklich auf, wer nach der Rechnung aus Kapitel eins aktueller Weltmeister wäre. Natürlich kann man das in einem Buch nicht auf dem aktuellen Stand halten, aber just darum hätte ich da gern einen Link gehabt, denn ich hoffe doch sehr, dass jemand, der sowas ausrechnet, das auch irgendwo öffentlich macht. Zaghaftes Googeln führte nirgendwohin, und wenn mich die Frage nicht loslässt, muss ich diesen Journalisten wohl mal anschreiben. Andererseits wären derlei Informationen vielleicht aber auch schon sehr schnell nicht mehr neu, wenn sie für alle im Netz öffentlich zugänglich wären. Also was soll's. Insgesamt ist „Wie Österreich Weltmeister wurde“ ein sehr nettes Buch für nebenbei. Durch die Kürze der einzelnen Beiträge eignet es sich bestens als Klolektüre oder als Geschenk für Fußballfans.

Und hier geht's zurück zur Startseite und zu den anderen Buchkritiken.

P.S.: Die von hier aus verlinkten externen Seiten finde ich gut. Verantwortung für ihre Inhalte übernehme ich aber nicht.